Weihnachten, das Fest der Liebe!!

Mal ganz ehrlich, ist es wirklich das Fest der Liebe?

Es fängt doch oft schon vor der Adventszeit an, Stress zu geben. Jeder fängt an, Geschenke zu kaufen, die Häuser und Wohnungen zu dekorieren. Wo kaufe ich denn in diesem Jahr den Tannenbaum? Habe ich alle Geschenke? Mist, für den habe ich noch keines, und das sollte besonders sein… Je näher wir uns Weihnachten nähern, desto stressiger wird es. Und dann kommt auch die Liebe so manches Mal zu kurz. Vielleicht nicht die zu dem, den ich beschenken möchte, aber zu denen, die auch den letzten Teddybären haben wollen, sind wir dann nicht so lieb. Gut, vielleicht nicht ganz so heftig wie in dem Film „Versprochen ist versprochen“ mit Arnold Schwarzenegger, aber es kommt dem doch näher.

Bei dem ganzen Trubel gehen aber auch mal schnell die Nerven für die anderen durch. Ich selbst kenne das auch, Weihnachten, das Fest des Streits. Irgendetwas, was schon länger brodelte, kommt jetzt wieder zum Vorschein, man sitzt über die Feiertage ja auch meistens länger zusammen und kann sich nicht in der Arbeit flüchten.

Das soll also das Fest der Liebe sein?

Ich sage: Ja! – Warum?

Warum feiern wir Weihnachten, wegen der ganzen Geschenke? Wegen der tollen Weihnachtsdekoration? Die tolle Stimmung, wenn man über den Weihnachtsmarkt spaziert, mit den tollen Gerüchen von gebrannten Mandeln, Kartoffelpuffer, kandierten Äpfeln, deswegen?

Nein, wir feiern Weihnachten die Geburt der Liebe überhaupt. Jesus kam in die Welt um für uns zu sterben, unsere Sünde auf sich zu nehmen. Das war Gottes Liebeserklärung! In Johannes 3, 16 lesen wir: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.“

Diese Liebe ist nicht einfach nur eine Liebe, die so ist, wie wir z.B. unseren Partner lieben. Diese Liebe ist anders, besser, größer, göttlich. Im griechischen Urtext des Neuen Testaments steht hierfür das Wort „agape“. Agape ist die reine göttliche Liebe, eine Liebe, die nicht von uns kommt. Die können wir nicht erzeugen. Es gibt da noch die „eros“, die begehrliche Liebe, von der auch das Wort „Erotik“ abstammt und die „philia“, die Freundes- bzw. die freundschaftliche Liebe. Agape ist die interessenlose Liebe, die Liebe, die sogar ihre Feinde liebt. Das wohl beste Beispiel für diese Liebe findet sich im Neuen Testament als Jesus am Kreuz hing. Er betete: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“ Stellt Euch das mal vor, da steht jemand vor Euch, bespuckt Euch, tritt auf Euch ein, schlägt Euch, lacht Euch aus, reißt Euch die Kleider vom Leib. Und Ihr betet „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.“

Jetzt sagt Ihr vielleicht: „Na klar tue ich das! Schließlich hat Jesus in der Bergpredigt gesagt, dass ich das tun soll.“ Das hat Petrus auch gesagt. In Matthäus 26 steht: „Und wenn ich mit dir sterben müsste…“ Ihr wisst, was dann kam. Das können wir nicht leisten. Aber wir können uns das schenken lassen, wir können das Geschenk, das Gott uns gegeben hat annehmen und leben. Gottes Geschenk ist die Agape-Liebe. Diese Liebe ist nicht einfach, deswegen widmet Paulus ihr auch ein ganzes Kapitel im 1. Korintherbrief. Lasst Euch nicht entmutigen! Ihr dürft Gott darum bitten, in Euch diese Liebe zu bewirken.

Wenn Ihr also wieder mal im totalen Weihnachtsstress steht und jeden, der sich Euch in den Weg stellt, umhauen könntet, dann denkt kurz darüber nach, dass das sicher nicht so schlimm wiegt, wie das Foltern und Töten, das Jesus erleiden musste, und es deshalb sogar einfacher sein müsste, ruhig zu bleiben, und den anderen unter Gottes Segen zu stellen.

Ich habe noch eine kleine Geschichte in dem Buch „Party auf Zimmer 210“ von Tony Campolo gefunden:

Sie kann meins haben

Ein Lehrer in einer kleinen Dorfschule irgendwo im Staat New York unterrichtete Kinder mehrerer Jahrgänge in einem Klassenraum. Darunter war auch ein kleiner Junge, der, wohlwollend ausgedrückt, immer als „Sonderkind“ bezeichnet wurde. Er war offen gesagt, einfach „langsam“. In der Weihnachtszeit beschloss der Lehrer, mit den Kindern ein Weihnachtsstück einzuüben. Der lernschwache Junge wollte natürlich auch gerne eine Rolle haben. Er wollte nicht nur einfach auf der Bühne herumstehen, sondern auch etwas sagen dürfen. Alle wussten, dass er Mühe hatte, sich seinen Text zu merken, aber am Ende kam man doch zu einer Lösung, die brauchbar erschien: Wenn Maria und Josef an die Tür klopften, sollte er einfach sagen: „Alles voll!“ Dann würde Maria etwas entgegnen, woraufhin er wieder sagen sollte: „Alles voll!“ Alle waren zuversichtlich, dass er hier nicht allzuviel falsch machen konnte. Um ganz sicher zu gehen, bestimmten sie jemanden, der neben ihm stehen und ihm im entscheidenden Augenblick einen Stups geben und ihm gegebenenfalls seinen Text ins Ohr flüstern sollte, falls er ihn vergessen haben würde. Am Abend der Aufführung schien alles wie am Schnürchen zu laufen, bis Maria und Josef an die Tür der Herberge klopften. Maria klopfte, und als unser kleiner Freund die Tür öffnete, da sagte er tatsächlich seinen Text: „Alles voll!“ „Aber mein Herr“, erwiderte Maria, „es ist bitterkalt. Hätten sie nicht vielleicht doch noch irgendein kleines Eckchen, wo wir bleiben können? Ich friere so und mir ist gar nicht gut. Ich glaube, mein Baby kommt, und wenn Sie uns nicht helfen, dann wird es in der Kälte der Nacht im Freien zur Welt kommen.“ Der Junge stand da und sagte keinen Ton. Der Souffleur stieß ihn an und flüsterte ihm zu: „‚Alles voll!‘ Du musst ‚Alles voll!‘ sagen.“ Der Junge drehte sich herum und sagte laut und vernehmlich: „Ich weiß, was ich sagen soll! Aber sie kann doch eigentlich mein Zimmer haben!“ Manchen Menschen fällt es von Natur aus zu, anderen mit Liebe zu begegnen, sie müssen gar nicht darüber nachdenken. Wir Übrigen müssen uns immer wieder ganz aktiv dazu entschließen, und der Heilige Geist ist gekommen, um uns dabei behilflich zu sein.

Weil Gott seinen Sohn aus bedingungsloser Liebe zu uns Menschen gab, deswegen ist Weihnachten das Fest der Liebe.


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