Das Genie beherrscht das Chaos

Einstein

Ein anderer Spruch ist der:
„Ordnung ist das halbe leben.“ … mit dem Zusatz: „aber ich lebe in der anderen.

Wer von Euch ist schon mal umgezogen? Wenn man anfangen soll, seine Wohnung in Kartons zu verpacken, dann stellt man fest, wo man inkonsequent war und Papiere vielleicht nicht so gut weggeheftet hat, oder Dinge nicht entsorgt hat, die man längst hätte entsorgen können.
Ich war nach meinem Einzug nicht in der Lage, meine Kartons auszupacken. Sie standen teilweise schon geöffnet und völlig durcheinander im Wohnzimmer, im Schlafzimmer, auch im Bad gab es einen Korb mit unsortierten Reinigungsmitteln.
Wer fühlt sich in so einer Umgebung wohl?

Ich weiß jetzt nicht, wie es in Euren Zimmern so aussieht, ob immer alles Pikobello ist, aber bei mir war es so. bis ich mich der Verantwortung
gestellt habe und mit Hilfe von lieben Menschen die Bude endlich auf Vordermann gebracht hab.
Vermutlich stimmt es ja, dass Ordnung das halbe Leben ist – wer ordentlich ist, verbringt weniger wertvolle Lebenszeit mit Suchen.
Das Wort „renovieren“ bedeutet auf Deutsch: „wieder neu machen“, „erneuern“. Für viele ist das anstrengend, allein schon das Aufräumen: Sie müssen sich aufraffen. Du musst Dir überlegen, was wohin kommt. Sich von diesem oder jenem Teil trennen, es wegschmeißen. Aber wenn Ihr es erstmal gemacht habt, werdet Ihr Euch wahrscheinlich wohl fühlen.

Es sei denn, …

  1.  … Du fühlst Dich im Chaos heimisch;
  2. … Du hast einen Ordnungs- und Putzfimmel, Du kannst „rein“ gar nichts rumliegen lassen und wirst niemals fertig mit dem Erneuern.

 

Wie es bei uns aussieht, das hat mehr mit unserer Seele zu tun, als uns meistens klar ist – und als uns manchmal lieb sein kann.

Hier mal zwei Thesen dazu:

  • These I: Ihre äußere Ordnung spiegelt die innere Ordnung. Wer im Chaos lebt, ist auch innerlich nicht gut sortiert, aufgeräumt, wohl geordnet. Und bei wem alles wie geleckt und wie in der Puppenstube ist, bei dem ist es innen drin manchmal ebenfalls nicht immer ganz wohnlich: ein
    bisschen künstlich, steril, leblos.
  • These II: Wenn Sie die äußere Ordnung verändern, wirkt sich das auf die Ordnung Ihrer Seele aus. Das Chaos sortieren und aufräumen ist Therapie pur. (Ähnliches gilt für Ordnung im Tageslauf.) Wenn Sie umgekehrt in Ihrer wie geleckten Puppenstube extra mal was rumliegen und
    das Wischen ausfallen lassen, dann ist das auch Therapie.

Renovieren kann Kreise ziehen. Das Äußere und das Innere wirken gegenseitig aufeinander ein.

Wir schreiben das Jahr 622 vor Christus.
In Jerusalem regiert der junge König Joschija …
König Joschija schickte den Staatsschreiber Schafan (…) mit folgendem Auftrag in den Tempel:
»Geh zum Obersten Priester Hilkija und lass ihn feststellen, wie viel Geld bisher zum Tempel gebracht und von den Torhütern eingesammelt worden ist. Dann soll der Priester es den Meistern aushändigen, die für die Ausbesserungsarbeiten am Tempel verantwortlich sind. Sie sollen davon den Lohn der Zimmerleute, Bauarbeiter und Maurer bezahlen und das nötige Baumaterial, Holz und Bruchsteine, beschaffen.
Bei Joschija und seinem Staatsvolk war es nicht gut um die Gottesbeziehung bestellt. Der renovierungsbedürftige Tempel steht dafür. „Gottesbeziehung“ – daran denkt man nicht sofort, wenn etwas im persönlichen oder gesellschaftlichen Leben aus den Fugen gerät. „Gott“ kann man schon mal übersehen. Aber Joschija schaut hin. Und er schickt die  Handwerker los.
Als der Staatsschreiber seinen Auftrag ausgerichtet hatte, sagte der Oberste Priester zu ihm: »Ich habe im Tempel das Gesetzbuch des Herrn gefunden!« Der Staatsschreiber nahm die Buchrolle und las sie. Dann ging er zum König und (…) berichtete dem König auch, dass der Priester Hilkija ihm eine Buchrolle übergeben hatte, und las sie dem König vor.
Was war das für eine Schriftrolle? Wohl eine Vorform des 5. Buches Mose. Da hat also im baufälligen Tempel, dem Sinnbild einer un-gepflegten, unbeachteten, bröckelnden Gottesbeziehung, ein Schatz gelegen. Der wurde lange nicht gehoben und hat Staub angesetzt.
Jetzt ein „Zufallsfund“. – Und doch nicht so ganz zufällig. Es musste erstmal jemand anfangen, wenigstens äußerlich etwas zu renovieren, damit das, was verborgen innen drin  steckte, heraus kommen konnte.
Als der König hörte, was in diesem Gesetzbuch stand, zerriss er sein Gewand. Der König ist tief betroffen. Ihm geht auf, was seit so vielen Jahren auf der Strecke geblieben ist.
Joschija versinkt aber nicht in der Betroffenheit, nein, er initiiert einen Neu-Anfang: Er beruft eine Volksversammlung ein, die Buchrolle wird verlesen, alle verpflichten sich darauf.

Die landesweiten Maßnahmen, die im Anschluss folgen, fasse ich so zusammen:

  1. Die Bevölkerung trennt sich von allem, was man bisher außer Gott noch verehrt, vergöttert, beweihräuchert, heilig gehalten hat. Alle Götzenbilder werden demontiert.
  2. Bisher waren die Heiligtümer über das ganze Land verteilt. An jeder Milchkanne eine heilige Stätte mit einem speziellen Glauben. Nun wird sozusagen der Glaube in die Mitte gerückt. Der Tempel in Jerusalem wird zum Mittelpunkt. Zukünftig kommen die Leute von überall her dorthin, zum spirituellen Zentrum, und brechen später von dort neu auf.

Am Ende dieses geistlichen Aufbruchs wird es so, wie es sich gehört: festlich. Man hat mit dem
alten Buch nämlich auch ein Fest ausgegraben: das Passafest! Früher die Feier der Befreiung aus
der Sklaverei Ägyptens. Jetzt zudem ein Fest der Befreiung aus neueren falschen Abhängigkeiten.
Was heißt das jetzt für mein Leben?

In einem Organisationshandbuch wird Leuten die eine Unordnung auf ihrem Schreibtisch haben
folgendes empfohlen:

  1. Gründlich ausmisten,
  2. Grundstruktur schaffen,
  3. dauerhaft für Ordnung sorgen.

In meinem Glaubensleben heißt das wohl,

  1. Gründlich ausmisten: sich endlich von allem trennen, was mein Leben mit Jesus Christus bisher behindert, nachhaltig gestört oder sogar getrennt hat. Dazu gehören nicht nur schlechte Angewohnheiten oder der leichtfertige, gedankenlose Umgang mit allem was mich so tagtäglich in Versuchung bringen will. Auch die mangelnde Liebe gegenüber meinen Mitmenschen gehört dazu. Das Unversöhntsein und das nicht Vergeben können.
    Der Teufel will immer alles kaputt machen (auch Menschen); Chaos freut ihn. Der Teufel will stehlen, schlachten und vernichten (Johannes 10:10). Chaos und Unordnung schaden und sind für unser Wohlbefinden nicht zuträglich.
  2. Grundstruktur schaffen: mich auf das konzentrieren, was meinem Leben Sinn und Halt gibt:
    Jesus Christus. Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens” (1. Kor 14, 33; Menge)
    Mit Frieden ist nicht (nur) die Abwesenheit von Krieg gemeint. Es ist ein umfassender Frieden, Vervollständigung, Zufriedenheit, Heil. Gott ist Heil (Richter 6:24) Der Teufel mit seinen irdisch-weltlichen Dingen hat Chaos und Kaputtheiten zu bieten. Gott hingegen herrliche Ruhe und umfassend körperliche wie seelische Gesundheit: “Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.” (Jesus in Matthäus Kapitel 11, Vers 28)
    Meinem Tagesablauf eine Ordnung geben. Zu regelmäßigen Zeiten, die Gemeinschaft mit Gott suchen. Bibel lesen, ihn im Danken und Loben, im sprechenden und hörenden Gebet anrufen und nach seinem Willen fragen. Ihn mit Liedern preisen und dabei mich von seiner Nähe und Liebe erfassen lassen.
  3. dauerhaft für Ordnung sorgen: Regelmäßig die Gottesdienste besuchen. Mich dabei aber nicht unter Druck setzen (lassen), mich nicht aus Verpflichtung und Routine dahin begeben, sondern in der vollen Erwartung, dass ich Gottes Nähe im besonderen Maße finden möchte.
    Selbst Zurüstung und Halt finden in der Gemeinschaft mit anderen Christen.