Heilung

Neulich bei der Wohnwoche habe ich verwirrt, weil ich etwas gemacht habe, dass in unserer Gemeinde nicht alltäglich scheint.
Aber stimmt das?

Es scheint tatsächlich so, dass in vielen Gemeinden Heilungsgebete wenn überhaupt nur in Verbindung mit Jakobus 5 und dann von den Ältesten gebetet werden. Alle anderen Gebete um Heilung einer Krankheit oder einer Behinderung sind keine Heilungsgebete.

Man muss unterscheiden zwischen Heilungsgebet und Fürbittengebet um Heilung.
Bei einem Fürbittengebet um Heilung betet man, dass Jesus Heilung schenken möge.
Ein Heilungsgebet ist ist da etwas anderes, zum Einen geht immer eine Berührung voraus, dann kommen Worte zum Einsatz und ganz besonders ist es immer eine Zusage. „Du wirst geheilt!“ Heilungsgebet ist direkter Segen.

Heilung in der Bibel

Heilung kommt im alten und neuen Testament vor. Die bekannteste Geschichte ist das Buch Hiob. 
Aber auch andere Stellen weisen auf Heilung hin:

Jesaja 53, 4-5
Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.
Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.
Oder an anderer Stelle:
Jeremia 30, 17
Aber dich will ich wieder gesund machen und deine Wunden heilen, spricht der Herr.

Die meisten Stellen über Heilung finden wir im Neuen Testament. Da sind zum Einen die Heilungsgeschichten, die direkt mit Jesus zu tun haben, aber auch Heilungen der Jünger und Apostel.

Was haben wir mit Heilung zu tun?

Bevor Jesus in den Himmel aufgefahren ist, hat er seinen Jüngern noch ein paar Aufträge gegeben. Der bekannteste ist Matthäus 28, aber auch dieser:
„Geht ihr und verkündet: Das Himmelreich ist nahe. Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus“ (Mt. 10,8)
Wie gehen wir damit um, wenn wir einen solchen Auftrag bekommen?
Wenn Jesus seine Jünger hier ausdrücklich damit beauftragt, Kranke zu heilen, dann verwendet er das griechische Wort θεραπευω (terapeuo) – es geht also um Therapie. Wenn wir heute Therapie hören, gehen uns ganz unterschiedliche Gedanken durch den Kopf. Interessant ist die ursprüngliche Bedeutung des griechischen Wortes. Die Bedeutung „heilen“ hat sich nämlich aus der ursprünglichen Bedeutung „dienen“ entwickelt. So gesehen sind auch wir als Jünger Jesu damit beauftragt, alles dafür zu tun, um Menschen, die körperlich oder auch seelisch leiden, zu dienen. Dieser Dienst oder auch Heilungsdienst kann ganz unterschiedlich aussehen. Vielleicht wäre es gut, in einer bestimmten Situation spontan dafür zu beten, dass ein Wunder geschieht…! Vielleicht braucht jemand einfach mal einen, der ihm zuhört und nicht gleich gute Ratschläge erteilt…! Oder vielleicht ist es dran, sich mit jemand gemeinsam auf den Weg zu machen, um eine geeignete therapeutische Beratung zu suchen (Beratungsstelle)…!

Was Jesus fordert, ist die Bereitschaft, loszugehen und jedem so zu dienen, wie er es braucht. Jesus hat uns Vollmacht gegeben, in seinem Namen da weiterzumachen, wo er aufgehört hat.
Wo die Evangelien aufhören, setzt die Apostelgeschichte ein. Zunächst sind die Jünger Jesu, die sogenannten Apostel, zutiefst verunsichert – sie wissen, ohne Jesus können wir nichts tun. Nachdem sie aber den Heiligen Geist bzw. den Geist Jesu empfangen hatten, erfüllte sich tatsächlich, was Jesus vorausgesagt hatte (Apg. 2,17-19).

Man höre und staune:
„Durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder im Volk. (…) Selbst die Kranken trug man auf die Straßen hinaus und legte sie auf Betten und Bahren, damit, wenn Petrus vorüber kam, wenigstens sein Schatten auf einen von ihnen fiel. Auch aus den Nachbarstädten Jerusalems strömten die Leute zusammen und brachten Kranke und von unreinen Geistern Geplagte mit. Und sie alle wurden geheilt (therapiert)“ (Apg. 5,12-16)

Warum erleben wir so selten übernatürliche Phänomene? Was ist mit der Geistesgabe der Krankenheilung (1. Kor. 12,28)? Die Gabe der Heilung ist die Fähigkeit, die Gott einigen gegeben hat, um Menschen von den verschiedensten Krankheiten spontan und absolut wirksam zu heilen.

Übrigens gebraucht Paulus gerne ein anderes griechisches Wort für Heilung. Er nimmt ιαομαι, was bedeutet, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Wenn etwas kaputt gegangen ist, kann man es manchmal wieder herstellen, indem man es repariert oder auch operiert. So, dass das Auto wieder fährt oder das Gelenk wieder beschwerdefrei funktioniert …! Sicherlich haben nicht alle (Mit)Glieder am Leib Christi das Charisma der Krankenheilung (vgl. V.30). Doch Paulus lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass diese Gabe absolut erstrebenswert ist. Ebenso weist Paulus indirekt darauf hin, dass wir schon etwas dafür tun müssen, um diese Gabe zu empfangen.
Ich muss gewissermaßen durchlässig sein, damit Gottes Kraft durch mich hindurch fließen kann. Das heißt, ich muss vor allem auf mich selbst achten: Bin ich durchlässig? Was blockiert mich? Bin ich selbst vielleicht blind, obwohl ich doch gut sehen kann – zumindest mit Brille (vgl. Joh. 9,39)?! Was muss in mir noch heil werden, damit ich ein ‚verwundeter Heiler‘ sein kann?

Nach dem BergFest kam nun der Wunsch auf, auch bei unserem Lobpreisend Gebet anzubieten. Das ist toll, so können wir für andere beten. Das sollte es öfter in der Gemeinde geben. Leute beten für andere, denen es grad nicht so gut geht. Darum sollte man unbedingt zum Gottesdienst kommen, wenn es einem nicht gut geht…! Wenn nun jemand nicht kommen kann, weil er bettlägerig ist, dann könnte er die Ältesten (an)rufen. So ist es laut Jakobus 5 gedacht.

Sollten also die Ältesten der Gemeinde gerufen werden, damit sie über einem Kranken beten und ihn im Namen Jesu mit Öl salben, muss geklärt sein, welche Erwartungen an das Gebet im Raum sind. Natürlich kann Gott einen Menschen auch wieder herstellen, indem er ihn vollkommen gesund macht (vgl. Jak. 5,16). Auf übernatürliche Weise, so dass Ärzte sich nicht erklären können, was da passiert ist. Wir dürfen nicht einfach von dem ausgehen, was wir für möglich halten. Gott hat andere Möglichkeiten. Andererseits müssen wir auch behutsam sein. Wir dürfen keine falschen Versprechungen machen. Nicht jeder wird hundertprozentig wieder gesund. Überhaupt geht ́s ja nicht nur um körperliche und psychische Gesundheit. Darüber hinaus geht es um unser ewiges Heil. Jakobus schreibt: „Das Gebet des Glaubens wird den Kranken erretten“. Hier ist „heilen“ im Sinne von „erretten“, „erlösen“, griechisch σοζω (sozo) zu verstehen!
Erst am Ende des Lebens hier auf Erden werden wir von allen Schmerzen endgültig erlöst sein – bis in Ewigkeit. Diese Hoffnung kann einem kranken Menschen natürlich schon hier und jetzt die notwendige oder besser not-wendende Kraft verleihen, mit seiner Krankheit besser leben zu können. Das ist die erste und wichtigste Erwartung an das Gebet um Heilung, dass die Beziehung zu Gott heil wird! Heilung in diesem Sinne brauchen natürlich nicht nur kranke Menschen, sondern auch gesunde! Noch etwas ist nach Jakobus 5 ganz entscheidend, damit Heilung geschehen kann – nämlich Vergebung, griechisch αψιημι (aphiämi). Jakobus fordert dazu auf, einander Sünden zu bekennen. Das fällt nicht leicht. Aber es hat eine reinigende und heilsame Wirkung. Darum ist es heilsam, sich jemanden anzuvertrauen. Das müssen nicht unbedingt die Ältesten der Gemeinde sein. Das kann jemand sein, zu dem man Vertrauen hat und der sich das nicht nur anhört, sondern eben auch im Namen Jesu Vergebung zuspricht…! Nicht selten sind gestörte Beziehungen Ursache für psycho-somatische Erkrankungen. Dann kann man versuchen, die Symptome mit irgendwelchen Pillen zu bekämpfen oder auch dagegen an beten – das aber wird nichts ändern. Vielleicht heilt die Zeit manche Wunden. Doch die wirksamste Therapie ist, einander zu vergeben. Und wer vergibt, heilt auch sich selbst.
Viele Christen sind der Ansicht, dass Heilungserfolge weniger von der Gabe, gesund zu machen als von der Intensität des Glaubens abhängig sind. Je größer der Glaube des Kranken oder seiner Umgebung, desto sicherer wird er gesund. – Und umgekehrt: je geringer seine Erwartung, je schwächer sein Glaube, desto eher bleibt er krank.
Die Bibel lässt keinen Zweifel am Ursprung des Glaubens aufkommen. Glaube ist, so erklärt es uns der Verfasser des Hebräerbriefes im 11. Kapitel, eine gewisse Zuversicht auf das, was man hofft und ein Nicht-Zweifeln an dem, was man nicht sieht (V. 1) Und er fügt im 3. Vers hinzu, dass der Glaube Gott als Ursprung alles Geschaffenen erkennt, und der handelt, indem er u. a. Kranke gesund macht. Also: Nicht unser Glaube heilt, sondern Gott, auf den wir unseren Glauben gründen. Wenn eine Schwester oder ein Bruder mit der Gabe der Krankenheilung betet, mir die Hände auflegt und ich gesund werde, dann ist das weder dessen Verdienst noch ein Verdienst meines Glaubens, sondern Gott hat mich gesund gemacht.
Hier noch ein Hinweis auf ein weiteres Wort in der neutestamentlichen Ursprache, das man mit „aufrichten“ am besten übersetzen kann – griechisch εγειρω (egeiro)! Es heißt ebenfalls in Jakobus 5:
„Das Gebet des Glaubens wird einen kranken Menschen aufrichten“ (V.15).
Wenn Gott einen Menschen aufrichtet, dann geht dieser Mensch nicht in sich selbst gekrümmt, sondern aufrecht durchs Leben – selbstbewusst, fröhlich und zuversichtlich.
In unserer Gesellschaft leiden immer mehr Menschen unter Depressionen – die Volkskrankheit Nr. 1. Der Druck der Leistungsgesellschaft wird immer größer. Das erleben viele als belastend und erdrückend. Im Gegensatz dazu soll die Gemeinde der Ort sein, wo Menschen wieder aufgerichtet und ermutigt werden. Manchmal genügt schon ein aufmunterndes Wort oder eine Geste der Wertschätzung…! Ich hoffe, dass sich unser Glaube heilsam auswirkt auf Körper, Seele und Geist – also ganzheitlich. Denn Gott möchte uns im umfassenden Sinne heilen – er möchte erlösen, vergeben, aufrichten und wiederherstellen. Wenn viele auch ihr Heil woanders suchen, glaube ich, dass wir uns nicht allein auf medizinische Möglichkeiten oder auch gewisse Selbstheilungskräfte verlassen sollten. Jesus Christus hat uns bevollmächtigt, durch seinen Geist und in seinem Namen um Heilung zu bitten.

Die Geistesgabe der Krankenheilung schließt die ärztliche und medikamentöse Behandlung keineswegs aus. Wir tun gut daran, ärztliche Hilfe in Anspruch und Medikamente einzunehmen, denn Gott hat auch jene Substanzen geschaffen, die heilende Wirkung haben. In diesem Zusammenhang finde ich die Anweisung von Paulus an Timotheus bemerkenswert: „Trinke in Zukunft nicht nur Wasser! Nimm ein wenig Wein dazu, um deinen Magen zu stärken und weil du so oft krank bist“ (1.Tim 5,23). Von Jesaja wissen wird, dass er dem König Hiskia Feigenblätter auflegte, obwohl Gott dem Propheten kurz zuvor angekündigt hatte, dass er den König heilen würde. (2.Kön 20,7).
Für manche Patienten gibt es jedoch keine geeigneten Medikamente oder die vorhandenen wirken nicht. Trotzdem kann Gott heilen. Jesus heilte öfter in den Fällen, wo medizinische Mittel versagt hatten, z.B. die Frau mit Blutfluss, die von Ärzten nichts mehr zu erwarten hatte (Lk. 8, 43-44). Jesus konnte und kann jede Krankheit heilen!

Ein Heilungsgebet kann therapeutische Wirkung haben, aufrichten oder sogar das Wunder der Wiederherstellung bewirken – und nicht zuletzt das Wunder der Erlösung und der Vergebung spürbar werden lassen. In dieser Erwartung lasst uns füreinander beten. Ein Gebet kann Wunder wirken.