Wo bitte geht’s zum Himmel

Himmelreich_SchildWir beten: „Dein Reich komme…“ aber gleichzeitig denken wir: „Bitte nicht jetzt!“

Warum eigentlich nicht? Warum können wir uns nicht darauf freuen, dass Jesus wiederkommt?

Ich habe die Frage im Gottesdienst der FeG Niederdresselndorf gestellt und das waren die Antworten:

  • es gibt welche, die wissen, dass sie nicht mit rein dürfen
  • ich habe gerade geheiratet
  • ich habe mir gerade ein neues Haus gekauft/gebaut
  • meine Ausbildung/meine Karriere ist noch nicht abgeschlossen
  • es gibt noch so viel zu tun
  • Angst vor dem, was kommt
  • nicht wissen, wie schön es sein wird
  • Verwandte nicht alleine lassen wollen
  • man hat alle Leute lieb
  • ich will noch was erleben
  • die Krankheit nimmt zu viel Raum ein

Vielleicht haben manche auch Angst, irgendwo auf einer Wolke zu sitzen und immer nur zu singen und Harfe zu spielen.

Das führt mich direkt zur nächsten Frage:
Wie stellt Ihr Euch den Himmel vor?

Weitere Antworten aus der Gemeinde:

  • mit der Familie und dem Lieblingslöwen zusammen sein
  • es wird ein Ort ohne Krankheit und Leid sein
  • die Straßen werde aus Gold sein
  • wir werden Jesus sehen
  • es wird einen großen Chor geben
  • es wird laut sein: alle singen und reden in ihrer Sprache
  • es wird Rennautos geben
  • wir werden immer glücklich sein
  • viele Leute werden zusammen essen
  • alle werden sich verstehen und das nicht nur sprachlich
  • wir werden in Jesus geborgen sein

Wenn ich mir die Frage stelle, was oder wie etwas ist, dann recherchiere ich erst mal. Eine ganz bekannte Informationsquelle ist da immer Wikipedia. Da steht zu Himmel folgendes:

  • Himmel bezeichnet:
  • Himmel (Religion), eine religiöse Lokalisierung des Überirdischen und Göttlichen
  • Himmel (planetär), den sichtbaren Raum über der Erde oder einem anderen Himmelskörper
  • Taghimmel
  • Nachthimmel
  • Sternenhimmel, den nächtlichen Anblick der Sterne
  • Morgenhimmel
  • Abendhimmel
  • Himmelskugel, die theoretische, kugelförmige Abbildungsfläche für astronomische Koordinaten
  • Baldachin, ein Zierdach für Throne, Betten, Kanzeln, Denkmäler und Anderes
  • Innenverdeck, textile oder lederne Verkleidung auf der Innenseite des Daches bei einem Auto, Kutsche oder Zelt

Es ist klar, wir wollen nicht über den Himmel im Auto sprechen und so gehe ich direkt weiter auf „Himmel (Religion)

Himmel ist in vielen Religionen ein Bereich, der alternativ zur empirischen Wirklichkeit übernatürliche Wesen, Erscheinungen oder Götter beheimatet. Außerdem kann dies ein Ort sein, an dem das jenseitige Leben gelebt wird und an dem die Götter oder der Gott ihre Heimat haben.

Damit nähern wir uns schon mal an. Wikipedia, das ist bekannt, ist nun eher nicht eine Seite, die man in Wissenschaftlichen Arbeiten zitieren sollte. Um den Himmel, den wir meinen, zu definieren können wir daher mal in die Bibel schauen.

Ganz am Anfang der Bibel steht:

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ (1. Mose 1, 1)

Der Himmel ist somit Teil der Schöpfung. Die Schöpfung, das lernen wir in

Matthäus 24:35, Markus 13:31, Lukas 21:33:
„Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen.“

Und es geht noch weiter, im alten Testament steht nämlich:

Jesaja 51, 6
„Hebet eure Augen auf gen Himmel und schauet unten auf die Erde. Denn der Himmel wird wie ein Rauch vergehen und die Erde wie ein Kleid veralten, und die darauf wohnen, werden im Nu dahinsterben. Aber mein Heil bleibt ewiglich, und meine Gerechtigkeit wird kein Ende haben.“

So, was ist nun mit dem Himmel, welchen Himmel streben wir denn an, wenn der Himmel vergehen wird, er nicht ewig ist?

Ihr habt Euch hier ein paar Vorstellungen gemacht, wie Ihr Euch den Himmel vorstellt.
Wenn Ihr Euch den Himmel so vorstellt, was davon entspricht denn dem Himmel, der nicht ewig ist?

Wenn das also nicht der nicht der Himmel ist, in den wir kommen, welcher ist es denn dann?

Viele Texte der Bibel sprechen davon, dass wir bei Jesu Wiederkunft am Ende der Welt in den Himmel oder zu Gott kommen werden. Auf der anderen Seite lesen wir schon im Alten Testament, dass Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen will, die uns die alte vergessen lassen. Wir haben es eben in Jesaja 51 gelesen, und in Jesaja 65,17 steht es gleich noch mal.

Deshalb schreibt Petrus, dass Himmel und Erde vergehen werden und Christen auf einen neuen Himmel und eine Erde warten, in denen Gerechtigkeit wohnt (2. Petrus 3,10–13).

10 Es wird aber des HERRN Tag kommen wie ein Dieb in der Nacht, an welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen; die Elemente aber werden vor Hitze schmelzen, und die Erde und die Werke, die darauf sind, werden verbrennen.
11 So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen,
12 daß ihr wartet und eilet zu der Zukunft des Tages des HERRN, an welchem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden!
13 Wir aber warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde nach seiner Verheißung, in welchen Gerechtigkeit wohnt. 

Auch Johannes stellt fest, dass Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde erschaffen wird (Offenbahrung 21,1).

1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr.

Die Antwort auf die Frage, wo die Gläubigen die Ewigkeit verbringen werden – im Himmel oder auf der neuen Erde – gibt Johannes uns in den folgen Versen:

2 Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabfahren, bereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann.
3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Stuhl, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;
4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.
5 Und der auf dem Stuhl saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiß!  (Offenbarung 21,2-5)

3 Und es wird kein Verbanntes mehr sein. Und der Stuhl Gottes und des Lammes wird darin sein; und seine Knechte werden ihm dienen. (Offenbahrung 22,3)

Das neue oder himmlische Jerusalem kommt nach 1000 Jahren aus dem Himmel auf die neue Erde. Dort werden die Erlösten zusammen mit Gott wohnen (Offb 21,2–5; 22,3).

Von diesen und weiteren Aussagen der Bibel her gesehen ergibt sich folgendes Bild:

15 Denn das sagen wir euch als ein Wort des HERRN, daß wir, die wir leben und übrig bleiben auf die Zukunft des HERRN, werden denen nicht zuvorkommen, die da schlafen.
16 denn er selbst, der HERR, wird mit einem Feldgeschrei und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel, und die Toten in Christo werden auferstehen zuerst.
17 Darnach wir, die wir leben und übrig bleiben, werden zugleich mit ihnen hingerückt werden in den Wolken, dem HERRN entgegen in der Luft, und werden also bei dem HERRN sein allezeit. (Thessalonicher 4, 15-17)

Wenn Jesus wiederkommt, stehen zuerst die gestorbenen Gläubigen auf. Danach werden die lebenden Gläubigen verwandelt und beide Gruppen zusammen in den Himmel aufgenommen.

Also, wir werden auf die neue Erde kommen. Wir haben hier Eure Vorstellungen, wie der Himmel sein wird. Keine Angst, das ist gar nicht so verkehrt.

Die Definition von Himmel ist an dieser Stelle noch einmal interessant: Wenn wir nicht in den Himmel sondern auf die neue Erde kommen, warum wird dann dauernd vom Himmel gesprochen?

Die Schreiber der Bibel konnten sich nur vorstellen, dass Gott im Himmel wohnt. Und wenn wir nach unserem Tod bei Gott sein werden, dann müssen wir auch im Himmel sein. Der Himmel ist aber „nur“ der Ort, an dem Gott ist. Und Gott wird, das können wir nachlesen mitten unter uns wohnen, wir werden mit ihm in einer Straße wohnen, er wird unser Nachbar sein. Wir werden ihm täglich auf der Straße begegnen. Wie auch immer „täglich“ und „Straße“ aussehen wird. Aber ER wird da sein.

Damit werden Erde und Himmel eins!

Und nun komme ich noch einmal zu der Frage, warum wir vielleicht nicht wollen, dass Jesus so bald wiederkommt.

Wenn wir wissen, dass wir auf eine neue Erde kommen, die wirklich perfekt ist. Wenn wir wissen, dass es kein Leid, keine Schmerzen mehr geben wird, wenn wir wissen, dass Gott mitten unter uns wohnt, warum freuen wir uns dann nicht darauf?

Wir werden uns weiterhin erkennen, unsere Identität geht nicht verloren.

Deshalb lasst uns fröhlich sein über dem, was noch kommt, wenn ER wiederkommt.

Amen.

 

 

(Einige der Gedanken sind aus dem „Freiraum“-Gottesdienst mit Boris Schmidt im Kreaktiv e.V. Dillenburg)