Du musst nicht perfekt sein – Gottes Maßstäbe

Welch ein interessantes Thema.

Das letzte Mal, als die Jugend einen Gottesdienst gestaltet hat, und ich predigen durfte, gab es auch ein interessantes Thema. Erinnert Ihr Euch? Not a fan!

Das heutige Thema ist ebenso brisant.

Ich habe hier mal 35 Sekunden des Videos „Betrugsfälle – Liebe auf den ersten Klick“ (ausgestrahlt auf RTL am 26.02.2016 9:30 Uhr) mitgebracht, lasst es mal auf Euch wirken…

Das ist der Hammer, oder? Da schreibt eine Frau mittleren Alters mit einem Jugendlichen, der vielleicht schon 18 ist, Dinge, die…

Was denkt Ihr jetzt über diese Frau?

Letztendlich haben wir keine Ahnung, was das für eine Frau ist. Wir haben sie vielleicht gerade direkt in eine Schublade gesteckt. Und garantiert nicht in eine gute…

Ich möchte Euch mal erzählen, was das zu bedeuten hatte. Diese Frau, wollte ihrer Freundin helfen, dass deren Sohn wieder auf andere Gedanken kommt, nachdem er von seiner Freundin verlassen wurde. Das ging jedoch gehörig schief. Direkt, nach dem letzten Satz greift diese Frau nach dem Telefon und ruft ihre Freundin an, um ihr zu erzählen, was passiert ist. Gemeinsam finden sie eine Lösung.

Ich will Euch noch etwas erzählen. Ich kenne diese Frau persönlich. Sie ist Schauspielerin und spielt als Hobby in solchen Sendungen mit. Aber das ist noch nicht alles: Sie ist im wahren Leben Christ und wir haben gemeinsam 13 Jugendgottesdienste gestaltet. Sie ist total gut drauf und würde so etwas in Wirklichkeit nie machen…

Tja, es geht ganz schnell, und wir denken in eine Richtung, schwören uns auf diese Richtung ein und dann ist es passiert, wir haben jemanden verurteilt. Und wie oft das passiert…

Da trägt jemand ein T-Shirt, das wir vielleicht nicht verstehen und schon zweifeln wir an seiner Beziehung zu Jesus. Da benutzt jemand einen anderen Wortschatz und schon ist er nicht heilig genug.

Und bei alldem merken wir nicht, wie unperfekt wir eigentlich sind, die wir das denken.

Richtet nicht … den anderen

Oft hört man von Menschen aus verschiedenen christlichen Konfessionen das Bibelzitat:
„Richtet nicht, auf dass Ihr nicht gerichtet werdet.“ (Matthäus 7,1)

Viele denken, jeder stehe ja selbst vor Gott und niemand könne etwas Objektives über das Leben und Handeln der anderen sagen – erst recht nicht hinsichtlich des Heils (also ob jemand gerettet ist oder nicht) Das Leben der anderen, besonders auf religiösem Gebiet, ist Privatsache. Für viele Menschen scheint Kritik ein Verurteilen, eine Aufdringlichkeit oder ein unbefugtes Betreten eines „heiligen“ Bereichs zu sein.

Andere aber sehen genau das als erforderlich. Um jeden Preis in das Leben der anderen einmischen und seine Ansichten dem anderen sehr deutlich als das einzig Richtige machen.

Wenn man aber die Ansichten bzw. die Lehren anderer als Irrweg sieht, muss man daraus schlussfolgern, dass sie sich auf Abwegen befinden.

Ich möchte das Thema mit Euch heute im Lichte Jesu bedenken.

Viele sehen BEurteilen und VERurteilen als ein und das selbe an, dabei ist der Unterschied doch sehr groß.

Der Begriff „Beurteilen“ muss nicht negativ verstanden.
Eigentlich ist die bloße Stellungnahme im Sinne einer Beurteilung von Gut und Böse, Richtig und Falsch nur die praktische Anwendung der durch Gott in der Bibel offenbarten Grundsätze. Das man zwischen Gut und Böse unterscheidet, ist in Fragen, die unsere Beziehung zu Gott betreffen, aber auch unsere Alltagsangelegenheiten wichtig.

Bei vielen Menschen rufen die Wörter „Richten“ und „Gericht“ negative Assoziationen hervor und setzen eine schlechte Haltung voraus. Aber hinter jedem Beurteilen steht der Wunsch, die Wahrheit über eine Sache zu sehen und anzunehmen und auch anderen dabei zu helfen. Ohne diese Motivation wird eine vollkommen gerechtfertigte und angebrachte Ermahnung ein liebloses und erbarmungsloses Verurteilen sein.

In der Bibel finden wir mehrere Stellen, in denen dieses selbstgerechte, pharisäische Verhalten gesprochen wird. Ich denke, Ihr kennt die Stellen.

Jesus spricht mit der folgenden gut bekannten, aber leider oft falsch interpretierten Warnung eben dieses lieblose Verhalten an.

„Richtet nicht, damit Ihr nicht gerichtet werdet! Denn mit welchem Gericht Ihr richtet, werdet Ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß Ihr messt, wird Euch gemessen werden. Was aber siehst Du den Splitter, der in Deines Bruders Auge ist, den Balken aber in Deinem Auge nimmst Du nicht wahr. Oder wie wirst Du Deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus Deinem Auge ziehen, und siehe, der Balken ist in Deinem Auge. Heuchler, zieh zuerst den Balken aus Deinem Auge, und dann wirst Du klar sehen, um den Splitter aus Deines Bruders Auge zu ziehen.“ (Matthäus 7, 1-5)

Betrachten wir die erstgenannte Bibelstelle im Zusammenhang, so wird klar, dass der angesprochene ein hochmütiger, selbstgerechter Heuchler ist, der die Sünden Anderer betont, ohne seine eigenen sehen zu wollen.

Es geht nicht darum, dass man den Splitter nicht entfernen darf. Jesus kritisierte die verurteilende Gesinnung und ruft zu ehrlicher demütiger Selbstkritik und zur Abkehr von einen Sünden. Dann werden wir fähig sein, den anderen zu helfen.

Was Jesus hier sagte, passt nicht zu dem weit verbreiteten Gedanken, dass man den Splitter im Auge der anderen nicht antasten darf. Einen Splitter im Auge zu haben, ist niemandem angenehm. Es wäre sogar lieblos, dem anderen nicht zum helfen.

Hier eine Parallelstelle:
„Uns richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden, verurteilt nicht, und Ihr werdet nicht verurteilt werden, sprecht frei, und Ihr werdet freigesprochen werden!“ Lukas 6,37

Hier finden wir eine Parallele zwischen der Warnung Jesu vor dem Richten und der Warnung vor dem Verurteilen und dem Aufruf zur Vergebung. Diese Parallele zeigt, dass hier das Richten im Sinne des Verurteilen und der verweigerten Vergebung zu sehen ist.

Zwei Verse weiter geht es weiter: „Kann ein Blinder einen Blinden leiten? Werden nicht beide in eine Grube fallen?“
Das bedeutet, dass jemand der seine Sünden nicht zugibt, die Vergebung Gottes nicht empfangen kann und so auch anderen Menschen Gottes Gnade und Liebe nicht weitergeben kann. Er kann anderen nicht den Ausweg aus ihren Sünden zeigen. Wer aber seine Sünden bekennt und bereut, empfängt Vergebung, und wird aus Dankbarkeit und Liebe heraus den Wunsch haben, auch anderen zu helfen, die Versöhnung mit Gott zu finden.

„Wasche mich völlig von meiner Schuld, und reinige mich von meiner Sünde! Denn ich erkenne meine Vergehen, und meine Sünde ist stets vor mir. Gegen Dich, gegen Dich allein habe ich gesündigt und getan, was böse ist in Deinen Augen; damit Du im Recht bist mit Deinem Reden, rein erfunden in Deinem Richten. … Lass mir wiederkehren die Freude deines Heils, und stütze mich mit einem willigen Geist! Lehren will ich die von Dir Abgefallenen Deine Wege, dass die Sünder zu Dir umkehren.“ (Psalm 51, 4-6; 14-15)

So macht es die Parallelstelle in Lukas noch klarer, dass die Absicht Jesu auch in Matthäus 7, 1-5 die war, vor einem heuchlerischen und lieblosen Richten zu warnen, ohne sich selbst vor Gott zu prüfen.

Es geht hier darum, dass wir uns vorher Gedanken darüber machen, ob und vor allem wie wir dem anderen sagen, was richtig ist. Wir sollen nicht vorschnell verurteilen, sondern wohl bedacht beurteilen.

richtet nicht … euch selbst

Bei alldem, sollten wir nicht vergessen, was uns selbst angeht. Wie oft stehen wir da und stellen uns die Frage: „Komme ich in das Reich Gottes?“ Als Teenie habe ich mich öfter gefragt: „Bin ich vielleicht der Antichrist?“ Das machte mir wirklich zu schaffen! Aber es gab jemanden, der sagte: „Weil Du so darüber nachdenkst, kann es alleine schon nicht sein.“

Ich weiß nicht, wie Ihr darüber denkt. Wobei Ihr immer wieder da steht und Euch sagt: „Nein, das kann ich nicht sein.“ oder „Ich bin nicht würdig, weil ich so schlecht bin.“ „Weil ich immer wieder Falsches tue und sage, kann ich nicht toll sein.“

Wahrscheinlich geht es dir so wie vielen Christen: Du möchtest Gott mit deinem Leben gefallen, aber manchmal reicht es dir ehrlich gesagt, dich ständig um ein christliches Leben zu bemühen. Es scheint dir manchmal einfach zu anstrengend zu sein.

Als Nichtchrist empfand ich überhaupt keine Schuld! Aber als ich Christ wurde … Wow! Da wurde mir klar, dass es Dinge in meinem Leben gab, die Gott gar nicht gut fand.

Außerdem wusste ich auf einmal, dass es wichtig ist, andere zu lieben, die Bibel zu lesen, zu beten, und das obwohl jeder gegen mich war.

Manchmal dachte ich mir: „Es war viel einfacher, ohne Gott zu leben.“, aber jetzt, wo ich Gott kannte, verspürte ich auch noch eine ungeheure Verant­wor­tung, Gott mit meinem Leben zu gefallen. Ich las die Bibel, stieß auf ein Gebot, und konnte nach jedem Vers aus vollem Herzen sagen: „Hey, gute Idee. Das sollte ich öfter tun!“

Das wurde stressig. Aber es gibt da etwas, das einen völlig von diesem starken Verantwortungsbewusstsein und Leistungsdenken frei machen kann. Wir finden es in der Bibel.

Es gibt da nämlich eine Kernaussage in der Bibel, die sich durch all die Briefe hindurchzieht, an die Römer, die Galanter, die Epheser und die Korinther … Ihr findet sie überall.

Diese Kernaussage lautet: Gott verlangt nicht von Dir, dass Du perfekt bist.

Er erwartet nicht, dass Du seine Erwartungen erfüllst. Er hat sogar niemals gedacht, dass Du ein gutes christliches Leben als Christ führen oder seinen heiligen Maßstäben gerecht werden kannst. Wenn er das gedacht hätte, wäre er nicht auf die Erde gekommen, um für Dich zu sterben. Aber genau das tat er.

Jesus sagte zu den vielen Menschen, die ihm zuhörten: „Ihr aber sollt vollkommen sein, wie Euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ Es stimmt also, dass Gottes Gesetze, seine Gebote, vollkommen befolgt werden müssen. Und wenn wir von Gott nur dann angenommen würden, wenn wir alle seine Gebote befolgen, dann müssten wir perfekt sein! Aber das schaffen wir nicht, und deshalb kam Jesus, um uns von der Strafe, die wir für unsere Sünden verdient hätten, zu erretten.

Gott kennt die Kluft, die sich zwischen seiner Vollkommenheit und unserer Sündhaftigkeit auftut. Selbst als Christen leben wir oft in einer inneren Anspannung, weil wir versuchen, diese Kluft aus eigener Kraft zu überbrücken.

Manche versuchen diese Kluft zu überbrücken, indem sie Gottes Maßstäbe herunterzuschrauben. „Gott meint es doch gar nicht so..“ Andere meinen, sie müssten ihre Leistung steigern.

Und was sagt Gott zu dieser Kluft? „Ja, es gibt sie! Und es wird sie auch immer geben. Aber Du, der Du an Jesus glaubst und ihn in Dein Leben aufgenommen hast, hast Vergebung empfangen, bist gerecht gesprochen worden, Du bist wertvoll in seinen Augen und er hält seine Hand fürsorgend über Dich. Du gehörst vollständig ihm, und er liebt Dich bedingungslos, trotz der Kluft.

Sogar Paulus schreibt darüber, wie frustriert er selbst darüber war. Er schaute sich das Gesetz Gottes an und sagte: „Die Gebote sind heilig, gerecht und gut.“ Je mehr er jedoch versuchte, danach zu leben, desto mehr sündigte er. Er sagte: „Ich will immer wieder Gutes tun und tue doch das Schlechte; ich verabscheue das Böse, aber ich tue es dennoch.“ Völlig frustriert sagt er: „Ich unglückseliger Mensch! Wer wird mich jemals aus dieser Gefangenschaft befreien?” Und was war die Lösung für ihn? „Gott sei Dank! Durch unseren Herrn Jesus Christus bin ich bereits befreit.“

Die Gefühle von Versagen, Sünde, Selbstverdammnis müssen dem Wort Gottes gegenübergestellt werden. „Wer nun mit Jesus Christus verbunden ist, wird von Gott nicht mehr verurteilt.“ „Als wir noch seine Feinde waren, hat Gott uns durch den Tod seines Sohnes mit sich selbst versöhnt. Wie viel mehr werden wir, da wir jetzt Frieden mit Gott haben, am Tag des Gerichts bewahrt bleiben, nachdem ja Christus auferstanden ist und lebt.“

Das heißt also: Versuche im Blick auf Gottes Gebote nicht, dich anzustrengen und sie aus eigener Kraft zu befolgen, sondern bitte stattdessen Gott, der in dir lebt, dich dazu fähig zu machen. Wenn Gott sagt, dass wir einander lieben sollen, dann meint er damit nicht, dass du voller Begeisterung los­stürmen sollst, um Gott zu beweisen, wie liebevoll du sein kannst. Stattdessen möchte er, dass du dich auf ihn verlässt.

Versteht mich nicht falsch, das soll nicht heißen, dass wir Gottes Gebote nicht halten sollen, sondern nur ihn bitten Euch dabei zu helfen.

„Gott, ich bitte, dass du in mein Herz kommst und mich fähig machst, diesen Menschen so zu sehen, wie du ihn siehst, und mir im Herzen dieselbe Liebe für ihn zu schenken, die du hast. Ich kann ihn nicht aus mir selbst heraus lieben, aber ich bitte dich, dass du in mir deine große Liebe zu ihm hervorbringst.“

Habe Geduld mit Dir.

Konzentriere dich darauf, Gott kennen zu lernen. Setz alles dran, ihn durch Gebet, Bibellesen, Gemeinschaft oder Austausch mit anderen Christen besser kennen zu lernen … all das ist gut. Aber dein Glaube darf nicht dabei stehen bleiben, dass du dies alles tust, sondern Gott soll in deinem Leben wirken dürfen. Jesus sagt, dass man es mit den Reben am Weinstock vergleichen kann. „Bleibt fest mit mir verbunden, und ich werde ebenso mit euch verbunden bleiben! Denn so wie eine Rebe nur am Weinstock Früchte tragen kann, so werdet auch ihr nur Frucht bringen, wenn ihr mit mir verbunden bleibt.“

Und wenn es mal wieder nicht so gut läuft mit dem Bibellesen, dann lass Dich nicht entmutigen. Gott hat kein Problem damit, wenn Du nicht regelmäßig jeden Morgen in der Bibel liest. Er freut darüber, dass Du überhaupt in der Bibel liest. Aber bleib im Gebet darüber mit ihm.

Der Gedanke, dass Du schlecht bist, weil Du dieses oder jenes nicht hinbekommst, bringt Dich weiter von Gott weg. Lass Dich von Gott lieben!

Und hier möchte ich noch mal den letzten Vers aus der Textlesung ( Zefania 3, 14-17) aufgreifen:
„Der Herr, euer Gott, ist in eurer Mitte; er ist stark und hilft euch! Von ganzem Herzen freut er sich über euch. Weil er euch liebt, redet er nicht länger über eure Schuld. Ja, er jubelt, wenn er an euch denkt!“ Zefania 3,17

Und ich möchte Euch bitten, wenn es jemanden gibt, der genau so über sich denkt, der denkt, dass er so schlecht ist, dass er es Gott nie gut machen kann, was ihn dann von ihm entfernt, dann geh auf ihn zu und verurteile ihn nicht auch noch, wenn er es schon selbst tut.

Wenn wir uns nicht trauen können, zu unseren Geschwistern zu gehen, weil wir fürchten müssen, statt von ihnen geliebt, verurteilt zu werden, dann hat Gemeinde versagt.