Das Leben des Christen

Kampf und Leiden

1 So sei nun stark, mein Kind, durch die Gnade in Christus Jesus. 2 Und was du von mir gehört hast durch viele Zeugen, das befiehl treuen Menschen an, die tüchtig sind, auch andere zu lehren. 3 Leide mit als ein guter Streiter Christi Jesu. 4 Wer in den Krieg zieht, verwickelt sich nicht in Geschäfte des täglichen Lebens, damit er dem gefalle, der ihn angeworben hat. 5 Und wer einen Wettkampf bestreitet, erhält den Siegeskranz nur, wenn er nach den Regeln kämpft. 6 Es soll der Bauer, der den Acker bebaut, die Früchte als Erster genießen. 7 Bedenke, was ich sage! Der Herr aber wird dir in allen Dingen Einsicht geben. 8 Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten, aus dem Geschlecht Davids, nach meinem Evangelium, 9 für welches ich leide bis dahin, dass ich gebunden bin wie ein Übeltäter; aber Gottes Wort ist nicht gebunden. 10 Darum dulde ich alles um der Auserwählten willen, auf dass auch sie die Seligkeit erlangen in Christus Jesus mit ewiger Herrlichkeit. 11 Das ist gewisslich wahr: Sind wir mit gestorben, so werden wir mit leben; 12 dulden wir, so werden wir mit herrschen; verleugnen wir, so wird er uns auch verleugnen; 13 sind wir untreu, so bleibt er treu; denn er kann sich selbst nicht verleugnen.

Warnung vor unnützem Streit

14 Daran erinnere sie und ermahne sie inständig vor Gott, dass sie nicht um Worte streiten, was zu nichts nütze ist, als die zu verwirren, die zuhören. 15 Bemühe dich darum, dich vor Gott zu erweisen als ein angesehener und untadeliger Arbeiter, der das Wort der Wahrheit recht vertritt. 16 Halte dich fern von ungeistlichem losem Geschwätz; denn es führt mehr und mehr zu gottlosem Wesen, 17 und ihr Wort frisst um sich wie der Krebs. Unter ihnen sind Hymenäus und Philetus, 18 die von der Wahrheit abgeirrt sind und sagen, die Auferstehung sei schon geschehen, und bringen einige vom Glauben ab. 19 Aber der feste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennt die Seinen; und: Es lasse ab von Ungerechtigkeit, wer den Namen des Herrn nennt. 20 In einem großen Haus aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene, die einen zu ehrenvollem, die andern zu nicht ehrenvollem Gebrauch. 21 Wenn nun jemand sich reinigt von solchen Leuten, der wird ein Gefäß sein zu ehrenvollem Gebrauch, geheiligt, für den Hausherrn brauchbar und zu allem guten Werk bereitet. 22 Flieh die Begierden der Jugend! Jage aber nach der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden mit allen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen. 23 Aber die törichten und ungezogenen Fragen weise zurück; denn du weißt, dass sie nur Streit erzeugen. 24 Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streitsüchtig sein, sondern freundlich gegen jedermann, im Lehren geschickt, einer, der Böses ertragen kann 25 und mit Sanftmut die Widerspenstigen zurechtweist. Vielleicht hilft ihnen Gott zur Umkehr, die Wahrheit zu erkennen 26 und wieder nüchtern zu werden aus der Verstrickung des Teufels, von dem sie gefangen sind, zu tun seinen Willen.

2. Timotheus 2; Luther 2017

Das ist ein langer Bibeltext.

Der Brief ist von Paulus an Timotheus geschrieben. Das zweite Kapitel soll zur Ermutigung, zur Ermahnung und auch zur Warnung sein.

Er ist in zwei Teile geteilt und wir werden heute beide nacheinander bearbeiten.

Ich komme zuerst mal zu den ersten 13 Versen:

Kampf und Leiden (Ermahnung und Ausharren)

„stark in der Gnade in Christus Jesus“ zu sein bedeutet, mit der Kraft mutig zu sein, die Christi Gnade uns gibt. Timotheus soll nicht nur sich selbst stärken, sondern er soll auch geistliche Stärkung für andere bieten. Er ist verantwortlich, anderen die inspirierenden Lehren zu übermitteln, die er vom Apostel empfangen hat Paulus würde schon bald von der Bildfläche verschwinden. Er hatte Timotheus treu „in Gegenwart von Zeugen“ gelehrt. Auch er sollte seinen dienst so ordnen, dass andere vorbereitet wären, ihn als Lehrer weiterzuführen. Dieser Vers unterstützt nicht die Apostolische Sukzession, also die kontinuierliche Weitergabe des Sendungsauftrags der Apostel. Er bezieht sich auch nicht auf die heutige Praxis der Pastorenberufung. Er ist einfach eine Anweisung des Herrn an die Gemeinde, eine Folge kompetenter Lehrer auszubilden.

Es ist oft darauf hingewiesen, dass in diesem Vers vier Generationen von Gläubigen genannt werden:

  1. Der Apostel Paulus
  2. Timotheus und viele Zeugen
  3. treue Menschen
  4. andere

Die Schrift betont die Bedeutung der Evangelisation durch jedes Gemeindemitglied. Wenn jeder Gläubige wirklich seine Aufgabe erfüllen würde, könnte die Welt in einer Generation evangelisiert werden.

Warum das nicht funktioniert? Die Perversion des menschlichen Willens, sowie die rivalisierenden Missionsbestrebungen der Weltreligionen und Sekten tun ihr übrigens, um das zu verhindern.

Eines ist jedoch klar: Die Christen könnten viel mehr tun, als es ihnen bisher gelungen ist!

Timotheus sollte die Wahrheit „treuen Menschen“ anvertrauen, das heißt, Menschen, die gläubig sind und auf die Verlass ist. Diese Männer sollten fähig sein, auch andere zu lehren. das setzt ein paar Fähigkeiten im Lehrdienst Voraus.

Paulus benutzte reichlich Bilder in diesem Kapitel, um Timotheus zu beschreiben:

  1. Sohn (Vers 1)
  2. Soldat (Verse 3 & 4)
  3. Athlet (Vers 5)
  4. Bauer (Vers 6)
  5. Arbeiter (Vers 15)
  6. Gefäß (Vers 21)
  7. Knecht (Vers 24)

„Als guter Streiter Christi Jesu“ sollte Timotheus an „Leiden“ und Härten teilnehmen. Wir finden im 2. Korinther eine Liste mit Leiden, die Paulus selbst erdulden musste.

Der Soldat, der im Vers 4 genannt wird, wird als Soldat im Dienst beschrieben. Und es geht noch einen Schritt weiter, er steht mitten in der Schlacht. Ich weiß nicht, wer alles von Euch schon in einer Schlacht stehen musste. Ich selbst war acht Jahre bei der Bundeswehr. Ich musste, Gott sei Dank, nicht in einen Kampfeinsatz, aber ich wurde dafür ausgebildet. Im Einsatz zählt nur der Auftrag und die eigene Sicherheit und die der Kameraden. Da ist kein Platz für Gedanken, welchen Kindergarten wir aussuchen sollen, oder welche Klamotten wir uns als nächstes kaufen oder welches Auto.

Das soll aber nicht im Umkehrschluss heißen, dass wir uns nur Gottes Auftrag annehmen und uns niemals mit säkularen Dingen beschäftigen sollen. Paulus selbst arbeitete als Zeltmacher, während er das Evangelium predigte und Gemeinde gründete. Er hat es geschrieben, dass er seinen Lebensunterhalt mit eigenen Händen verdiente.

Die Betonung lieht hier auf dem Wort „verwickelt“. Der Soldat darf nicht zulassen, dass Alltagsgeschäfte zur Hauptsache werden. Also Broterwerb oder das Beschaffen von Kleidung soll nicht sein Lebensziel werden. Der Dienst Christi muss immer den ersten Platz haben.

William Kelly sagt:
„Sich in den Lebensgeschäften verstricken bedeutet, dass wir die Trennung von der Welt aufgeben, indem wir unseren Anteil an den Alltagsgeschäften als Partner mit eben dieser Welt absolvieren.“
Ein Streiter oder Soldat hält sich immer für Befehle vom Hauptquartier bereit. Er möchte dem gefallen, der ihn angeworben hat. Der Gläubige ist natürlich vom Herrn angeworben worden, und unsere Liebe zu ihm sollte uns dazu bringen, dass wir nur wenig an Irdischem hängen.
[1]

Das nächste Bild ist der Athlet. Um einen Wettkampf gewinnen zu können muss er sich an die Regeln halten. Genauso ist es auch im christlichen Dienst. Wie viele fallen schon vor der Ziellinie aus, weil sie dem Wort Gottes nicht ohne zu hinterfragen gehorchen.

Welche Regeln sollen wir also einhalten?

  1. Ein Christ muss selbstdiszipliniert leben.
    „sondern ich schinde meinen Leib und bezwinge ihn, dass ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde.“ 1. Kor. 9,27
  2. Er darf nicht mit fleischlichen Waffen kämpfen, sondern muss geistliche benutzen
    „Denn die Waffen unsres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig im Dienste Gottes“
    2. Kor. 10,4
  3. Er muss sich rein halten.
  4. Er darf nicht eifern, sondern muss geduldig sein

Jemand hat mal gesagt: „Ein Freizeit-Christ ist ein Widerspruch in sich. Das ganze Leben eines Menschen sollte ein angestrengtes Bestreben sein, das Christentum in jedem Augenblick und in jedem Lebensbereich auszuleben.“

Der Bauer. Nach allen gerechten Prinzipien hat derjenige, der gearbeitet hat, um die Ernte einzubringen, dasVorrecht sie zu genießen. Vielleicht heißt es aber auch, dass der Bauarbeiten muss, um einen Anteil an der Ernte zu bekommen. Nach der Elberfelder Übersetzung heißt es: „Der Ackerbauer muss, um die Früchte zu genießen, zuerst arbeiten.“

Also, der Streiter muss erdulden, der Athlet die Regeln beachten, der Bauer hart arbeiten.

Hinter diesen drei Bildern des christlichen Dienstes steht noch mehr, als es oberflächlich erscheinen mag. Timotheus wird ermahnt, darüber genauer nachzudenken. Und während er das tut, betet Paulus, dass der Herr im in allen Dingen Verständnis geben möge. Er wird erkennen, dass der christliche Dienst einem Kampf gleicht, einem Wettlauf und dem Ackerbau. Jede dieser drei Beschäftigungen hat ihre eigenen Anforderungen und bringt auch den eigenen Lohn.

Im nächsten Vers kommt Paulus zum Höhepunkt seiner Ermutigungen für Timotheus. Er kommt zum Vorbild des Herrn Jesus. Und es gibt nichts höheres. Er gibt uns das Beispiel des Leidens, auf das die Herrlichkeit folgt. „Halt im Gedächtnis Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten, aus dem Geschlecht Davids, nach meinem Evangelium.“ Hier geht es nicht darum dass sich Timotheus an bestimmte Dinge über Jesus erinnern sollte, sondern eher dass er sich an die Person selbst erinnern soll, „der auferstanden ist von den Toten“. Dieser Vers ist eine kurze Zusammenfassung des Evangeliums. Der springende Punkt ist die Auferstehung.

“Nicht die Vorstellung eines gekreuzigten Jesus sondern eines auferstandenen Herrn wird Timotheus vor Augen gestellt.“
[2]

Die ständige Erinnerung an die Person des Heilands und sein Werk ist für jeden wichtig, der ihm dienen möchte. Gerade die, die Leiden und Tod zu befürchten haben, werden durch diese Erinnerung ermutigt, dass sogar Jesus selbst die himmlische Herrlichkeit nur über das Kreuz und das Grab erreichte.

Paulus saß gefesselt in einem römischen Gefängnis, weil er das Evangelium verkündet hatte. Er wurde als Übeltäter angesehen. Als gewöhnlicher Krimineller. Er hätte wirklich entmutigt sein können. Aber seine fröhlicher Geist erhebt sich hoch über die Wände seines Gefängnisses. Er „vergisst“ die eigenen schlimmen Aussichten, als er sich daran erinnert, dass das Wort nicht gebunden ist.

Wie Lenski so treffend formuliert hat:
„Die lebendige Stimme des Apostels mag in seinem eigenen Blut ertränkt werden, doch was der Herr durch ihn gesagt hat, hallt noch immer durch die ganze Welt.“

Auch alle Armeen der Welt können das Wort Gottes nicht behindern. Das wäre, als versuchten sie, den Regen oder Schnee aufzuhalten.

Die Bibel lehrt, dass Gott Menschen erwählt, damit sie gerettet werden. Aber sie sagt nirgends, dass einige erwählt werden, verurteilt zu werden. Diejenigen, die errettet werden, werden durch die souveräne Gnade Gottes errettet. Die, die verloren gehen, gehen verloren, weil sie es selbst so gewollte haben.

Die Verse 11 bis 13 sind wie eine kleine Zusammenfassung.

Im geistlichen Sinne sind in dem Augenblick mit ihm „mitgestorben“, als wir uns ihm als unseren Erretter anvertrauen. Wir wurden mit ihm begraben und wir sind mit ihm von den Toten auferstanden. Christus starb als unser Repräsentant. Wir hätten sterben müssen, aber er tat es für uns.

Wenn wir ausharren, werden wir mitregieren. Doch das Ausmaß des Herrschens wird für jeden einzelnen durch seine Treue während des gegenwärtigen Lebens bestimmt.

Die, die Christus verleugnen, werden auch von ihm verleugnet. Hier geht es nicht um eine zeitweilige Verleugnung unter Zwang, ähnlich wie die des Petrus, sondern um eine dauernde gewohnheitsmäßige Leugnung. Diese Worte beschreiben einen Ungläubigen, einen, der nie zum Glauben an Christus gekommen ist.

Was hat es mit dem Wort auf sich, dass er treu bleibe, auch wenn wir untreu sind. Auch dieser Vers beschreibt einen Ungläubigen.

Dinsdale Young erklärt den Vers so:
„Gott kann sich nicht selbst widersprechen. Es würde seinem Charakter widersprechen, wenn er Gläubige und Ungläubige gleich behandeln würde. Das ist nicht der Fall. Wenn Menschen untreu sind, muss er seinem Charakter doch treu bleiben und sie entsprechend behandeln.“
[3]

Der Vers darf nicht so interpretiert werden, dass Gott diejenigen erhält, die nicht glauben.

Eine Allversöhnung gibt es nicht!

Soviel nun zu den ersten 13 Versen. Sie sind quasi die Grundlage, die erst mal geklärt werden müssen, bevor sich Paulus um die anderen kümmert. Timotheus soll sie daran erinnern und ermahnen. Es geht hier um die, die Versucht haben, Irrlehren einzubringen. Besonders die, die offensichtlich die Stellung von Lehrern oder Predigern einnahmen, gewarnt werden, keinen „Wortstreit zu führen“. Die Leute gab es offensichtlich in Ephesus. Leute, die großes Gerede über die theoretische Bedeutung von bestimmten Worten machen, statt die Heiligen in der Wahrheit des Wortes Gottes aufzuerbauen. Aber dabei verwirrten sie nur die, die mithörten.

Dinsdale Young warnte:
„Es ist so einfach, ein theologischer Griesgram zu werden – wir werden so schnell von Fragen vereinnahmt, die fast bedeutungslos sind. Das Leben ist zu kurz und wir haben viel zu tun, um unseren Verstand und unser Herz an Dinge zu verschwenden, die den Charakter nicht bilden. Wenn eine Welt auf Evangelisation wartet, dann bekommt es uns schlecht, ständig irgendwelche Seitenpfade zu betreten. Wir sollten uns an die große Straße halten. Wir sollten an den großen Wahrheiten festhalten. Wir sollten das Wesentliche betonen, nicht Nebensächlichkeiten. Wir sollten nicht den Opfern der Panik nacheifern, die in den Tagen Schamgars und Jaels lebten, die die großen Straßen unbesetzt ließen, und über Nebenwege gingen.“
[4]

Mit der „großen Straße ist hier nicht das Bild gemeint, das wir als „der breite und der schmale Weg“ kennen.

Im März hatten wir im Hickengrund eine zweiwöchige Jugendevangelisation namens JesusHouse. Das ist ein Konzept von proChrist. Der Veranstalter war die evangelische Allianzjugend unteranderem auch unter meiner Leitung.

Beide Evangelisten sagten hinterher, dass sie Sorge darüber hatten, dass sieben Gemeinden nicht gemeinsam eine solche Veranstaltung auf die Beine bringen könnten und es das eine oder andere Problem geben würde. Hinterher waren sie aber positiv überrascht, dass wir sehr wohl gut zusammenarbeiten können. Es ging uns hierbei nicht um die Dinge, die unsere Gemeinden unterschiedlich machen, sondern die, die wir gemeinsam haben. Auch ging es bei uns nicht darum, wer „richtig“ glaubt.

Der Präses des Bundes freier evangelischer Gemeinden Ansgar Hörsting hat sich vor kurzem öffentlich dafür entschuldigt, dass die FeGs den Eindruck erweckt zu haben, dass sie einzig wahre Religion sei. Solches Denken bringt viel Streit hervor.

Versteht mich bitte nicht falsch, es geht nicht darum, alles zu übernehmen, und gutzuheißen, was andere tun. Wir sollen das Wort der Wahrheit recht vertreten, nicht verfälschen. Aber dieses Vertreten soll keinen Streit hervorrufen.

Timotheus wurde von Paulus angewiesen, sich von ungeistlichem Geschwätz fernzuhalten. Er bekam nicht den Auftrag es zu bekämpfen. Er sollte es verachten und nicht durch Beachtung aufwerten.

Ein schlimmes Merkmal dieser Schwätzer ist es, dass sie niemals stehen bleiben. Sie schreiten in ihrer Gottlosigkeit immer weiter fort. Das gilt für alle Formen des Irrtums. Wer Irrtümer lehrt, muss immer noch etwas dazugeben. Das erklärt die neuen Dogmen und Verkündigungen, die ständig von falschen religiösen Systemen verkündigt werden.

In Vers 18 wird davon gesprochen, dass die Auferstehung schon gewesen sei. Damit ist nicht Jesu Auferstehung gemeint, die ist wahrlich schon gewesen. Es geht hier um unsere.

Wenn die Auferstehung der Vergangenheit angehöre, dann hätten wir schon den Endzustand schon hier auf der Erde erreicht. Damit würde die Gemeinde aufhören, die Wiederkunft des Herrn zu erwarten. Daraus würde folgen, dass sie die Wahrheit der himmlischen Bestimmung verliert und ihren Charakter als Fremde und Pilger aufgeben. Und wenn sie diesen himmlischen Charakter verloren hat, lässt sie sich auf der Erde nieder und nimmt teil an der Verbesserung und Beherrschung der Welt.

Dass Paulus Hymenäus und Philetus namentlich anführt, steht dafür dass Ungläubige in die Ortsgemeinde aufgenommen wurden. Das geistliche Leben ist auf solch einem Tiefstand angelangt, dass es oft schwer ist, echte Christen von Namenschristen zu unterscheiden. Daher wird die Verwirrung innerhalb der Gemeinde verheerend. Aber inmitten dieser Bedingungen findet Paulus Trost in der Versicherung, dass „der feste Grund Gottes besteht“.

Einige sind der Ansicht, dass mit dem festen Grund die wahre Gemeinde gemeint sei. Andere meinen, es beziehe sich auf die Verheißungen, auf den christlichen Glauben oder auf die Lehre von der Erwählung. Aber es ist eindeutig, dass der Grund Gottes alles ist, was der Herr tut. Wenn er sein Wort aussendet, kann es nichts hindern.

„Kein Versagen des Menschen kann den Grund verrücken, den Gott gelegt hat, oder Gott davon abhalten, das zu vollenden, was er begonnen hat. … Diejenigen, die dem Herrn gehören, mögen zwar in der Masse untergehen, doch sie können nicht endgültig verloren gehen.“
[5]

Der Grund Gottes hat ein zweifaches Siegel. Es gibt eine göttliche aber auch eine menschliche Seite des Siegels. Von der göttlichen Seite aus lautet das Siegel: „Der Herr kennt, die sein sind“. Das bedeutet nicht nur Wiedererkennen, sondern auch lieben und anerkennen.

Die menschliche Seite lautet: „Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit!“ Was soviel heißt, dass die, die sich zu Christus bekennen, die Echtheit des Bekenntnisses durch ihr geheiligtes und gottesfürchtigen Lebens beweisen können.

Das Siegel ist ein Zeichen des Eigentums aber auch der Garantie und Sicherheit. Wir sind sein Eigentum. Und wir werden die Echtheit unseres neuen Lebens beweisen.

Als nächstes wird im Text das Bild von Gefäßen verwendet. Goldene, silberne aber auch hölzerne und irdene. Goldene und silberne Gefäße wären demnach die echten Gläubigen. Die hölzernen und irdischen beziehen sich nicht im allgemeinen auf Ungläubige, sondern insbesondere auf die schlechten Arbeiter, die Irrlehren verbreiten.

Man sollte diesen Gefäßen bestimmte Dinge anmerken. Die Erste Unterscheidung ist die des Materials. Die zweite sind die unterschiedlichen Arten, die Gefäße zu gebrauchen. Und drittens unterscheiden sie sich in ihrem Schicksal. Die hölzernen und irdischen werden irgendwann weggeworfen. Die goldenen und silbernen werden wegen ihres Wertes behalten.

Timotheus wird aufgefordert, sich von den bösen Menschen zu trennen, insbesondere von Irrlehrern, wie Paulus sie genannt hat. Timotheus wird nicht aufgefordert, die Gemeinde zu verlassen. Er wird auch nicht dazu azufgerufen, das Christentum als solches zu verlassen. Das wäre für ihn unmöglich, ohne sein christliches Zeugnis aufzugeben, weil die Christenheit alle einschließt, die sich in irgendeiner Weise zu Christus bekennen. Es geht hier um die Trennung von Übeltätern und darum, die Verbreitung von Irrlehren zu verhindern.

Wenn sich jemand von den bösen Verbindungen fernhält, so wird er ein Gefäß zur Ehre sein. Wenn jemand vom Bösen für den Dienst Gottes ausgesondert wird, wird er nützlich für den Hausherrn sein. Er wird jederzeit bereit sein, sich gebrauchen zu lassen, wie sein Herr es wünscht.

Das ist aber auch keine Aufforderung sich einzuigeln, und sich nur noch mit Christen zu umgeben. Wir sollen unser Leben evangelistisch führen. Unser Leben soll ein Zeuge denen sein, die noch nicht glauben. Wenn wir dann aber nicht mehr mit Ungläubigen zu tun haben, dann bringt das nichts. Viele Gemeinden haben sich eingeigelt und tun es noch. Das führte dazu, dass sie als Sekten angesehen werden, oder aber die Glaubwürdigkeit ebenso verloren haben, wie die, die sich offenbar nicht an Gottes Weisungen halten. Wir sind nicht von dieser Welt, aber wir sind in dieser Welt. Mit einem klaren Auftrag zu Evangelisation. Und Gläubige muss man nicht evangelisieren.

Zum Zeuge sein gehört auch, dass man sich von den Begierden der Jugend trennt. Das kann sich nicht nur auf körperliches Verlangen beziehen, sondern auch auf das Streben nach Geld, Ruhm, und Vergnügen. Auch kann Eigenwille, Ungeduld, Stolz und Leichtfertigkeit dazu gehören.
Timotheus war zu dieser Zeit vielleicht 35 Jahre alt. Deswegen sind mit jugendlichen Begierden nicht unbedingt Lüste gemeint, die für Teenager charakteristisch sind, sondern umfasst auch alle unheiligen Gelüste, die sich einem jungen Diener des Herrn bieten mögen und ihn von seinem Pfad der Reinheit und Gerechtigkeit abbringen wollen.

Das ist keine Aufforderung sich einzuigeln, und sich nur noch mit Christen zu umgeben. Wir sollen unser Leben evangelistisch führen. Unser Leben soll ein Zeuge denen sein, die noch nicht glauben. Wenn wir dann aber nicht mehr mit Ungläubigen zu tun haben, dann bringt das nichts. Viele Gemeinden haben sich eingeigelt und tun es noch. Das führte dazu, dass sie als Sekten angesehen werden, oder aber die Glaubwürdigkeit ebenso verloren haben, wie die, die sich offenbar nicht an Gottes Weisungen halten. Wir sind nicht von dieser Welt, aber wir sind in dieser Welt. Mit einem klaren Auftrag zu Evangelisation. Und Gläubige muss man nicht evangelisieren.

Timotheus soll nicht nur fliehen sondern auch nachfolgen. Er soll nach Gerechtigkeit streben. Sein Umgang mit Menschen, errettet oder unerlöst, soll immer von Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Fairness geprägt sein.

Glaube kann hier die Treue oder absolute Integrität bedeuten. Aber es kann auch die völlige Abhängigkeit von Gott bedeuten.

Liebe, im Urtext αγαπη, die göttliche Liebe. Aber es geht dir nicht nur um die Liebe zu Gott sondern auch um die Liebe zum Mitmenschen. Diese Liebe denkt immer an den anderen, sie ist selbstlos.

Der Friede beinhaltet die Vorstellung von Harmonie Verträglichkeit.

Diese Tugenden sollen befolgt werden.

Genauso wie Timotheus in Vers 21 aufgefordert wurde, sich von bösen Menschen zu trennen, so wird er hier aufgefordert sich mit Christen zusammen tun, die in Reinheit vor dem Herrn wandeln.

Wenn Paulus schreibt, dass Timotheus die törichten und ungezogenen Fragen zurückweisen soll, dann sind hier Fragen gemeint, die unwichtig, nutzlos sind. Sie erzeugen nur Streit. Es sind hier nicht die Fragen gemeint, die sich mit den großen Wahrheiten des christlichen Glaubens befassen. Es sind Problemstellungen gemeint, mit denen man nur Zeit verschwendet und die Streit erzeugen.

Der Knecht des Herrn soll nicht streitsüchtig sein. Er soll vielmehr den Leuten freundlich gegenüberstehen. Auch denen, die törichte Frage stellen. Er soll lehrfähig gegenüber denen sein, die langsam verstehen, aber nicht Diskussionen „gewinnen“ wollen.

Der Knecht des Herrn muss sanftmütig sein, auch wenn er Widerstand erfährt. Wenn sich jemand nicht vor Gottes Wort beugt, schadet er seiner Seele. Solche Menschen soll man korrigieren, damit sie nicht denken, dass ihre Ansichten biblisch seien.

Wenn hier im Text steht, dass Gott ihnen vielleicht zur Umkehr hilft, dann bedeutet das nicht, dass hier in Frage gestellt wird, ob Gott ihnen vergibt. Tatsache ist, dass Gott nur darauf wartet, ihnen zu vergeben, wenn sie ihn nur bekennen und Buße tun. Gott würde nie Menschen an der Buße hindern. Doch die Menschen sind nur zu selten bereit zuzugeben, dass sie sich geirrt haben.

Wir sollen dabei helfen, dass sie wieder aus den Fallstricken des Teufels herausfinden und wieder zu Gott finden.

Das müssen wir aber unbedingt in Liebe tun! 

Bevor Ihr auf die Leute zugeht, um sie zu korrigieren, denkt an die folgenden Worte:

1 Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. 2 Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. 3 Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze. 4 Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, 5 sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, 6 sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; 7 sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. 8 Die Liebe höret nimmer auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird.

1. Korinther 13, 1-8; Luther 2017

Amen!

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  • [1] Wiliam Kelly, An Exposition of the Two Epistles to Timothy, S. 213
  • [2]Hiebert, Second Timothy, S. 62
  • [3]Dinsdale T. Young, Unfamiliar Texts, S. 253
  • [4]Dinsdale T. Young, The Enthusiasm of God, S. 154
  • [5]Hamilton Smith, The Second Epistle to Timothy, S. 27